Ratgeber

Wann und warum brauch ich einen Gutachter?

Ist Ihr Unfallschaden höher als ca. 750 Euro?

Dann haben Sie als Geschädigter (bei einem Haftpflicht-schaden) das Recht, einen Sachverständigen bzw. Gutachter Ihrer Wahl zu beauftragen (um Ihre Ansprüche gegenüber der gegnerischen Versicherung geltend zu machen). Dies gilt auch dann, wenn die gegnerische Versicherung nach einem Unfall ihren eigenen Gutachter vorbeischicken möchte. Da dieser vermutlich ein Interesse hat im Sinne der Versicherung zu handeln, sollten Sie einen unabhängigen und zertifizierten Gutachter Ihres Vertrauens suchen. Nur so können Sie sicher sein, dass der Schaden objektiv und neutral begutachtet wird. Die Kosten für das Gutachten muss die gegnerische Versicherung übernehmen.

Die generische Versicherung möchte einen Gutachter beauftragen

Stimmen Sie bei einem unverschuldeten Unfall nicht zu, dass die gegnerische Versicherung Ihren eigenen Gutachter beauftragt!

Dieser arbeitet im Auftrag der Versicherung und ist daher höchstwahrscheinlich nicht neutral, was den Schadenumfang und die Reparaturkosten angeht. 

Lassen Sie sich nicht auf die Lockangebote des kostenlosen Ersatzfahrzeugs und Hol- und Bringservice in die Werkstatt ein. 

Wertminderung nur durch Beauftragung eines Gutachters

Wenn Sie Ihr Fahrzeug nach einem Unfallschaden und erfolgter Reparatur irgendwann einmal verkaufen möchten, bekommen Sie am Markt oft nicht mehr den Preis, welchen Sie ohne den Vorschaden bekommen würden. Ihr Fahrzeug hat also einen verminderten Wert. Diesen finanziellen Nachteil können Sie bei der Versicherung geltend machen. Erstattet wird die sog. Wertminderung von der Kfz-Haftpflichtversicherungen in aller Regel aber nur, wenn sie von einem Sachverständigen in einem Gutachten festgestellt wurde! 

Wirtschaftlicher Totalschaden

Sind die Reparaturkosten höher als der Wert Ihres Fahrzeugs, handelt es sich in der Regel um einen wirtschaftlichen Totalschaden. Sie erhalten von der Versicherung den Wiederbeschaffungswert (eines gleichwertigen Fahrzeugs) abzüglich des Restwerts Ihres Unfallfahrzeugs.

Liegen die Reparaturkosten bis zu 30% über dem Wiederbeschaffungswert, haben Sie unter bestimmten Umständen die Möglichkeit, Ihr Fahrzeug trotzdem reparieren zu lassen. Ich berate Sie hierzu gerne.

Nutzungsausfall

Ist Ihr Fahrzeug nach einem unverschuldeten Verkehrsunfall beschädigt, steht Ihnen das Fahrzeug zur Nutzung nicht mehr zur Verfügung. Für die Zeit der Reparatur oder im Fall eines Totalschadens (für den Zeitraum einer Ersatzbeschaffung) können Sie zwischen der Nutzung eines Mietwagens oder alternativ einen "Nutzungsausfall" geltend machen. 

Gutachter bei Kaskoschaden

Im Kaskofall ist die Versicherung „weisungsberechtigt". Das bedeutet, die Versicherung ist berechtigt, ihren eigenen Sachverständigen zu beauftragen. Die Kosten der Erstellung des Gutachtens trägt in der Regel die Versicherung selbst. Sind Sie mit der Schadensfeststellung nicht einverstanden, hat der Versicherte die Möglichkeit, ein sogenanntes „Sachverständigenverfahren" einzuleiten. Bei diesen Verfahren beauftragt jede Partei seinen selbst ausgewählten Sachverständigen. 


Rechtsanwalt - Warum?

Kürzungen der Versicherer

Bei den meisten Versicherern wird das durch den Sachverständigen eingereichte Gutachten an eine externe Firma weitergeleitet. Diese scannt das Gutachten ab und lässt es über eine spezielle Software analysieren. Anschließend werden automatisiert Kürzungen vorgenommen, die keiner rechtlichen Grundlage entsprechen. 

Sie als Geschädigter habe als Laie gegen den geschulten Sachbearbeiter der Versicherung keine Chance dagegen zu argumentieren. Daher ist es sinnvoll einen Anwalt einzuschalten. Ein erfahrener Anwalt für Verkehrsrecht kennt die Spielchen der Versicherung nur zu gut und kann Ihnen da weiterhelfen.